Wer war Nicolas Chauvin?

Über die Existenz Nicolas Chauvins scheiden sich die Geister. Während die eine Seite ihn für eine fiktive und militäre Figur aus dem französischen Raum hält, werden andere Stimmen laut, die behaupten, Nicolas Chauvin sei ein tapferer Soldat gewesen, der im 18. Jahrhundert um die Zeit 1790 gelebt und seinem Land treu gedient haben soll. Angeblich ist er im zarten Alter von 18 Jahren der Armee beigetreten und hat unter anderem unter Napoléon Bonaparte tapfer im Krieg gekämpft.

Nicolas Chauvin - Der Namesgeber des Chauvinismus

Nicolas Chauvin – Der Namesgeber des Chauvinismus

Für seinen unermütlichen Einsatz und seine Treue und Liebe zum Heimatland Frankreich habe er schwerste Verletzungen und Verstümmelungen seines Körpers in Kauf genommen und sei am Ende reichlich geehrt worden. So habe Napoléon ihn mit einem Ehrensäbel und einer für damalige Verhältnisse hoch dotierten Pension von ungefähr 200 Francs für seine Dienste belohnt, so heißt es.

In welchem Zusammenhang steht Nicolas Chauvin mit dem Begriff “Chauvinismus”?
Unter dem Wort Chauvinismus sind Menschen, vor allen Dingen aber Männer zu verstehen, die ein übertriebenes Selbstwert-und Nationalgefühl zum Ausdruck bringen. Die “Chauvis”, wie derartige Personen gern von der Gesellschaft bezeichnet werden, sind der Überzeugung, nur sie allein und ihre Nationalität stünden an oberster Stelle. Menschen aus anderen Ländern oder Kulturen sowie Frauen sind ihnen gegenüber hingegen untergeordnet und nach Ansicht der Chauvinisten minderbemittelt. Ihrer Meinung nach haben Frauen nicht die gleichen gesellschaftlichen und politischen Rechte und Freiheiten wie Männer und verdienen nur geringe Beachtung. Den Ursprung des Wortes “Chauvinismus” bildete jedoch Nicolas Chauvin mit seiner Liebe und der militärischen Bereitschaft zum Heimatland. So erhielt der Chauvinismus zunächst die Bedeutung des übertriebenen Einstehens für das eigene Land in Form von aggressivem Nationalismus.

Wie wurde aus dem Nationalheld das Gespött des Landes?

Nicolas Chauvin ist aufgrund seines unermütlichen und aufopfernden Einsatzes für sein Vaterland von der französischen Gesellschaft zunächst als Held gefeiert worden. Doch im Laufe der Zeit entwickelte sich sein Ansehen als mutiger Soldat zum Gespött der Bevölkerung. In der Nachkriegszeit vertrat man die Ansicht, Nicolas Chauvin sei ein Mann gewesen, der sein Leben an die Armee verschwendete und sei somit kein Held und verdiente demzufolge auch keine Anerkennung. Vielmehr sei er zu bemitleiden und wurde aus diesem Grunde vor allem in Theateraufführungen verspottet und ausgelacht. Das Stück “La Cocarde Tricolore”, eine Komödie der Gebrüder Charles-Théodore und Jean-Hippolyte Cogniard, die im Jahr 1831 erstmals aufgeführt wurde, machte aus dem tapferen Soldaten Nicolas Chauvin eine Theaterfigur und definierte den Chauvinismus als übertriebene Nationaltreue.

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