Was ist Chauvinismus?

Der Glaube in der eigenen Gruppe an die Überlegenheit wird als Chauvinismus bezeichnet. Ursprünglich ist der Chauvinismus eine aggressive Form des Nationalsozialismus, bei dem die Menschen einer Nation sich gegenüber den Menschen einer anderen überlegen fühlen und diese abwerten. Der Chauvinismus beherrscht nicht nur die öffentliche Meinung sondern meist auch die staatliche und politische Propaganda. Er bildet somit eine seltene Form des Nationalhasses, wie er zum Beispiel im ersten Weltkrieg zwischen Franzosen und Deutschen auftritt.

Woher kommt das Wort Chauvinismus

Das Wort stammt von dem legendären patriotischen Rekruten Nicolas Chauvin, der in der Armee Napoleons kämpfte und dort 17 Mal verwundet worden sein sollte. Dieser übertriebene Idealismus wurde 1831 in der französischen Komödie La Cocarde tricolore verewigt. Geschrieben wurde das Stück von den Brüdern Cogniard in Paris. Es wurde außerdem in sehr vielen Vaudevilles karikiert und somit wurde schließlich der Begriff Chauvinismus äußerst populär.

Die Entstehung des Chauvinismus

Die Voraussetzung für die Entstehung des Chauvinismus bildet neben dem Sozialstaat auch noch eine Krise des nationalen Selbstbewusstseins. Hervorgerufen durch eine Gefahr für den Staat oder eine Bedrohung von außen, wie zum Beispiel Krieg oder politische Niederlagen, welche das Selbstwertgefühl der Nation verletzen. Auch besteht so eine Gefahr immer dann wenn die Integrationskraft für das Fortbestehen der Nation schwindet. Als Beweis dafür gilt der deutsche Nationalsozialismus nach der Weimarer Republik, wegen seiner Niederlage im ersten Weltkrieg. Er wurde als Erneuerer der Nation dargestellt und man suchte Schuldige für das Ende des Krieges. Diese Niederlage führte zu einer Umdeutung des verlorenen Krieges als Ende der Monarchie, aber nicht als Niederlage des Volkes. Durch den Glauben an die Nation sollte der Wiederaufstieg vereinfacht werden. Dazu wurden alle kulturellen Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland stark betont.
Als besonderes Merkmal des radikalen Nationalsozialismus gilt die Tatsache der biologischen Zusammengehörigkeit, auch Sozialdarwinismus genannt, eines Volkes. Die Verwandtschaftsverhältnisse werden dabei von der eigenen Familie auf eine sehr viel größere Gruppe ausgedehnt. Durch diese gemeinsame ethnische Abstammung soll ein größerer Identifikationsgrad, also eine Verwandtschaft mit dem gesamten Volk, geschaffen werden.

Weitere Formen des Chauvinismus

Religiöser Chauvinismus

Der religiös motivierte Chauvinist glaubt an die Überlegenheit seiner Religion und Unfehlbarkeit seines Gottes. Er fühlt sich als Anhänger einer bestimmten Religion den Anhängern anderer Religionen gegenüber als jemand, der auf dem “rechten Weg” ist, während die anderen das nicht sind. Folglich sind die anderen aus dieser Sicht Verirrte, die bekehrt werden müssen.
Hierin liegt eine wesentliche Komponente der Weltreligionen. Denn es geht aus der Sicht deren Anhänger schließlich um nichts weniger als das Heil der unsterblichen Seele und das ewige Leben. Es gehört folglich zum Dienst am Nächsten, die “Ungläubigen” oder “Falschgläubigen” zum rechten Glauben zu bekehren, damit auch dieser die Chance bekommt, das ewige Leben zu erlangen. So nimmt es nicht Wunder, wenn ein gläubiger Christ oder Moslem etwa seine Religion für die einzig Wahre hält. Im Wesen der Religion ist also bereits ein gewisser Chauvinismus angelegt.

Sprachchauvinismus

Anders sieht es beim Sprachchauvinismus aus, denn es ist nicht einzusehen, warum eine Sprache besser als eine andere Sprache sein soll. Hier können höchstens ästhetische Gründe eine Rolle spielen, denn über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.
Merkmal des Sprachchauvinismus ist eine starke Abwertung anderer Sprachen als der eigenen bis hin zu deren Unterdrückung oder “Ausmerzung” wie sie im Zuge des Kolonialismus zu beobachten war. Auch in Deutschland hat man zu gewissen Zeiten aggressiv darauf beharrt, dass nur deutsche Wörter verwendet werden. Beispielhaft sei ein Reklameschild aus der Zeit des Ersten Weltkrieges genannt, auf welcher der Bevölkerung vorgeschrieben werden sollte, welche Grußformeln verwendet werden durften und welche nicht.
Eine subtile, aber vergleichsweise eher harmlose Form des Sprachchauvinismus wurde einem schwedischen Möbelhaus seitens dänischer Sprachwissenschaftler vorgeworfen, welches minderwertige Einrichtungsgegenstände wie Fußmatten, preiswerte Teppiche und Putzlappen nach dänischen Ortschaften benannt hat. Besonders edles Mobiliar jedoch wurde mit schwedischen Namen bedacht.
Inwiefern etwa Anglizismen mit Chauvinismus in Verbindung stehen, ist umstritten. Während die Einen sagen, es sei nichts gegen englischsprachige Ausdrücke einzuwenden, wehren sich die Anderen gegen das Verfremden einheimischer Ausdrücke. Einer sprachlichen Vielfalt sei die Dominanz einer bestimmten Sprache jedenfalls nicht zuträglich.

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